Lokalisierung in Russland

Die russische Regierung hat ein groß angelegtes Importsubstitutionsprogramm aufgelegt, um die russische Industrie zu modernisieren. Bis 2020 sollen 800 Produkte aus 19 Industriebranchen in Russland hergestellt werden. Über 2000 Einzelvorhaben sollen realisiert werden. Auf der anderen Seite wird der Zugang zu staatlichen Aufträgen für ausländische Lieferanten beschränkt. Damit bietet das Programm ausländischen Unternehmen interessante Chancen in Russland eine eigenen Produktion aufzubauen.

Unsere Leistungen

Lokalisierung in Russland. Wir bieten Ihnen einen umfassenden Support in allen Fragen rund um die Partnersuche und den Produktionsaufbau in Russland. Wir finden für Sie den richtigen Contract Manufacturing Operator (CMO) Partner.
Hierbei bieten wir Ihnen folgende Leistungen:

  • Partnersuche für die Produktion
  • Risiko-Assessment der Partner
  • Vertragserstellung und weitere juristische Beratung
  • Geschäftsaufbau

Wir helfen beim eigenen Produktionsaufbau

Fehler bei der Standortwahl und beim Aufbau eines Produktionsstandorts können schnell sehr teuer werden. Unsere erfahrenen Experten nehmen Sie an die Hand und unterstützen Sie von A-Z in Ihrem Projekt zum Aufbau eines Produktionsstandorts. Wir bieten unter anderem folgenden Leistungen:

  • Beratung bei der Standortwahl
  • Unternehmensregistrierung
  • Interim Management
  • Import (Klassifikationsentscheid für Anlagen, Zollabwicklung, Zertifizierung, Logistik)
  • Steuerliche Beratung
  • Administrative Unterstützung bei der Buchhaltung
  • Aufbau der IT Infrastruktur
  • und vieles mehr.

Ihr Ansprechpartner

Alex Stolarsky
Partner, Recht, Compliance, Steuern & Interim Management, Rechtsanwalt
+7 / 495 / 956 55 57

Lokalisierung – Ihre Chance von Russland zu profitieren

Russland ist nicht nur ein großes Land, sondern auch ein großer Markt für in- und ausländische Unternehmen und Geschäftsleute, der diverse Möglichkeiten in verschiedenen Branchen bietet. Viele westeuropäische Unternehmen sind bereits seit Jahren in Russland präsent und profitierten von der positiven Entwicklung der russischen Wirtschaft, auch wenn diese derzeit eine Krise erlebt.

Trotz der gegenseitigen politischen und wirtschaftlichen Sanktionen bleibt der Anteil der ausländischen Investitionen immer noch relativ hoch. Die neuesten Regierungsverordnungen und entsprechenden Gesetzesänderungen unter dem Titel „Lokalisierung“ sollen der Modernisierung der russischen Industrie und dem grenzüberschreitenden Handel mehr Schwung geben, um neue Technologien auf den russischen Markt zu bringen, lokale Produktion zu fördern und vor allem die Abhängigkeit Russlands von Importgütern zu reduzieren.

Russland ist nicht nur ein großes Land, sondern auch ein großer Markt für in- und ausländische Unternehmen und Geschäftsleute, der diverse Möglichkeiten in verschiedenen Branchen bietet. Viele westeuropäische Unternehmen sind bereits seit Jahren in Russland präsent und profitierten von der positiven Entwicklung der russischen Wirtschaft, auch wenn diese derzeit eine Krise erlebt. Trotz der gegenseitigen politischen und wirtschaftlichen Sanktionen bleibt der Anteil der ausländischen Investitionen immer noch relativ hoch.

Die neuesten Regierungsverordnungen und entsprechenden Gesetzesänderungen unter dem Titel „Lokalisierung“ sollen der Modernisierung der russischen Industrie und dem grenzüberschreitenden Handel mehr Schwung geben, um neue Technologien auf den russischen Markt zu bringen, lokale Produktion zu fördern und vor allem die Abhängigkeit Russlands von Importgütern zu reduzieren.

Der starke Fall des Ölpreises und die darauf erfolgte Rubelabwertung im Herbst 2014 zeigten jedoch deutlich, dass die russische Wirtschaft immer noch stark vom Ölpreise abhängig ist. Über 80% des russischen Exports bestehen aus Rohstoffen oder Mineralölerzeugnissen.

Demgegenüber importiert Russland aus Westeuropa hauptsächlich Anlagen, PKW und sonstige Güter des verarbeitenden Gewerbes.

Handel zwischen EU und RU Stand 2014 SCHNEIDER GROUP
Handel zwischen EU und RU Stand 2014

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Handelsbilanz deutet auf ein grundlegendes Problem der russischen Wirtschaft hin: Russlands Wirtschaft ist abhängig vom Rohstoffexport. Produktion findet meist außerhalb Russlands statt.

Bis zur Krise 2008 haben sich vermehrt westliche Unternehmen mit Produktionsstätten in Russland angesiedelt. 2008/2009 ist die Investitionstätigkeit
deutlich zurückgegangen. Lediglich im Automobilsektor wurden noch verstärkt Investitionen getätigt. Seit dem Einbruch des Rohölpreises kriselt es
dort jedoch ebenfalls erheblich. Insgesamt hat Russland das Image eines relativ teuren Produktionsstandorts mit nicht einfachen Rahmenbedingungen. Der Export von Waren nach Russland war in den letzten Jahren die bevorzugte Variante für westliche Unternehmen.

Russlands Wirtschaftswachstum und der Oelpreis
Russlands Wirtschaftswachstum und der Olpreis

Investitionen
Investitionen

Dieses Problem hat die russische Regierung erkannt, und seit 2014 betreibt sie unter dem Begriff „Importsubstitution“ eine Zuckerbrot- und Peitschen-Politik, um die Industrie zu stärkerer Lokalisierung zu drängen. Ziel des Importsubstitutionsplans aus dem Jahr 2015 ist in 19 Industriebranchen bis 2020 die Importabhängigkeit von zum Teil 80-100% deutlich zu reduzieren. Die Anfänge reichen jedoch bereits einige Jahre zurück.

Strategie Pharma 2020

Bereits im Jahr 2009 wurde die Pharma2020-Strategie beschlossen, die eine Lokalisierungsquote von 50% aller Arzneimittel und 90% besonders wichtiger Arzneimittel vorsah (insgesamt über 600 Medikamente). Während ein Strafabschlag von 15% für ausländische Arzneimittel bereits seit längerem existiert, wurde Ende 2015 eine Regelung* eingeführt, die ausländische Arzneimittelunternehmen den Zugang zu Ausschreibungen verschließt, sofern mindestens zwei „lokale“ Produzenten mitbieten.

Dies soll in erster Linie der Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit des Binnenmarktes dienen, indem russische Qualitätsstandards bei der Produktion
von Medikamenten an internationale Standards angepasst werden sollen. Aufgrund des Lokalisierungsdrucks haben große internationale Pharmaunternehmen, wie Teva, AstraZeneca, Berlin-Chemie, Novartis und Stada, lokale Produktionsstandorte gebaut. Andere Unternehmen, z.B. Bayer, Merk Serono, Eli Lilly oder Pfizer, haben Auftragsfertigungsverträge mit lokalen Produzenten abgeschlossen.

* Regierungsverordnung Nr. 1289 vom 30.11.2015, in Kraft seit 10.12.2015

Automobilindustrie

Im Bereich der Automobilindustrie haben die Regelungen in der Verordnung Nr. 166 aus dem Jahr 2010 dazu geführt, dass sich alle großen Automobilkonzerne in Russland mit Produktionsstätten angesiedelt haben – auch wenn sich einige Hersteller aufgrund des Nachfrageeinbruchs im PKW-Bereich wieder zurückziehen.

Auf der einen Seite wurde der Zugang ausländischer Hersteller mit ihren importierten Produkten zu staatlichen Ausschreibungen in vielen Bereichen
deutlich eingeschränkt. Dies betrifft neben dem Pharmabereich und dem Kraftfahrzeugbau insbesondere auch die Leichtindustrie, den Maschinenbau,
die Medizintechnik und die Softwarebranche. Ausweitungen auf weitere Branchen, z.B. IT Hardware, werden derzeit diskutiert.

Lokalisierung der Automobilindustrie
Lokalisierung der Automobilindustrie

Rechtlicher Rahmen für Lokalisierung in Russland

Seit Mitte 2014 wurde in Russland eine Reihe von Regierungsverordnungen und Gesetzesänderungen verabschiedet, die dem Thema „Lokalisierung“ einen rechtlichen Rahmen geben sollen.

Dazu zählen vor allem das Föderale Gesetz „Über Industriepolitik“ Nr. 488 vom 31.Dezember 2014 (seit 01.07.2015 in Kraft), die Regierungsverordnung Nr. 708 vom 16.07.2015 “Über spezielle Investitionsverträge für bestimmte Industriesektoren” (seit 29.07.2015 in Kraft), die Regierungsverordnung Nr. 719 vom 17.07.2015 „Über Kriterien für Industrieerzeugnisse, die keine in Russland hergestellten analogen Erzeugnisse haben“ (seit 01.10.2015 in Kraft).

Die neuen Regelungen sind auf die Förderung der Produktionslokalisierung in Russland und die Zusammenarbeit mit Investoren gerichtet. Dabei werden Anreize, wie Subventionen, Kredite unter speziellen Bedingungen, Garantien für stabile rechtliche und steuerliche Rahmenbedingungen oder Abnahmegarantien (Status des „alleinigen“ Anbieters) gewährt.

Zuletzt hat der Premierminister Dmitry Medvedev am 16. September 2016 die Verordnung Nr. 925 unterzeichnet, die ab 2017 lokalisierten Waren und Dienstleistungen bei staatlichen Ausschreibungen generell Priorität einräumt. Anzumerken ist, dass als lokalisierte Produkte nicht nur Waren mit Herstellungsort in Russland gelten. Waren aus der Eurasischen Wirtschaftsunion sind rechtlich Waren „Made in Russia“ gleichgestellt und bei staatlichen Ausschreibungen nicht ausgeschlossen.

Importsubstitution, Beschränkungen für staatliche Ausschreibungen

Grundsätzlich gelten bei öffentlichen Ausschreibungen für im Ausland hergestellte Waren die gleichen Kriterien wie für inländische Waren. Dieser Grundsatz ist bereits im Föderalen Gesetz Nr. 44 vom 05.04.2014 „Über Beschaffungswesen im staatlichen Bereich“ verankert worden. Allerdings dürfen
einzelne Einschränkungen für bestimmte Warenkategorien durch die russische Regierung eingeführt werden, so Art. 14 des Gesetzes Nr. 44. Dies betrifft
insbesondere Waren aus folgenden Branchen: Rüstungsindustrie, Lebensmittel, Maschinenbau, Leichtindustrie, Medizin und IT-Produkte.

Mit dem Inkrafttreten des Gesetzes über die Industriepolitik im Juli 2015 und den daraus resultierenden zahlreichen Regierungsverordnungen sind
Förderungsmaßnahmen eingeführt worden, die in Russland hergestellten Produkte bei den öffentlichen Ausschreibungen den Vorzug gewähren.

Branchen mit Importsubstituierung
Branchen mit Importsubstituierung

Bei staatlichen Ausschreibungen werden ab 2017 grundsätzlich Gebote von russischen Herstellern mit einem um 15% reduzierten Preis bewertet. Der Vertrag wird jedoch zum Gebotspreis abgeschlossen. Soweit ein ausländischer Hersteller eine staatliche Ausschreibung gewinnt, wird der Preis automatisch um 15% reduziert.

Die Regelungen gelten für Produzenten aus allen Branchen mit einigen Ausnahmen. Ausgenommen sind unter anderem Fälle, in denen der Vertrag mit einem Investor, der einen so genannten Status des „alleinigen“ Anbieters hat, abgeschlossen wird, sowie wenn die Ausschreibung ausschließlich die Lieferung von ausländischen Produkten (Dienstleistungen) umfasst.

Beispiel: Zugangsbeschränkungen für ausländische lebensnotwendige Medikamente zu öffentlichen Ausschreibungen (Erlass Nr. 1289 vom 30.11.2015):

Falls an einer staatlichen Ausschreibung mindestens zwei Bieter aus der Eurasischen Wirtschaftsunion teilnehmen, werden ausländische Produkte automatisch aus dieser Ausschreibung ausgeschlossen

Beispiel: Industriespezifischer Importsubstituierungsplan für die Automobilindustrie (Erlass Nr. 648 vom 31.03.2016):

Importsubstituierungplaene
Importsubstituierungpläne

Spezielle Investitionsverträge

Mit dem Inkrafttreten der Regierungsverordnung Nr. 708 vom 16.07.2015 “Über spezielle Investitionsverträge für bestimmte Industriesektoren” (aufgrund des Föderalen Gesetzes Nr. 488-FZ) im Juli 2015 wurde der Begriff eines sog. Speziellen Investitionsvertrags (SIV) eingeführt.

Danach verpflichtet sich der Investor gegenüber dem russischen Staat zur Modernisierung oder Neubau einer Produktionsstätte innerhalb von maximal 10 Jahren und bekommt im Gegenzug spezifische Anreize, wie z.B. den Status des “alleinigen Anbieters” für staatliche Einkäufe, Sonderregeln für das „Warenursprungsland“ usw.

Eine Kombination mit anderen Investitionsförderungen ist möglich (Regionale Investitionsverträge; Sonderwirtschaftszonen etc.). Der Investor verpflichtet sich seinerseits zur Lokalisierung von ausländischen Technologien, d.h. Bereitstellung der Technologien an eine russische juristische Person, sowie zur Erreichung bestimmter Produktionskapazitäten.

Mit der Einführung des SIV wurde ein Instrument geschaffen, das sehr interessante Rahmenbedingungen für eine Produktionsansiedlung schafft. Bislang haben jedoch nur zwei Unternehmen – CLAAS und Mazda-Sollers – einen solchen Vertrag unterschrieben. Viele Unternehmen sind jedoch interessiert beziehungsweise bereits in der Verhandlungsphase.

Hervorzuheben ist insbesondere, dass im Rahmen eines solchen Vertrags die Möglichkeit eingeräumt wird, einzelvertraglich die Bedingungen festzulegen, damit ein Produkt auch als „lokales Produkt“ anerkannt wird. Wenn die Investitionssumme 3 Milliarden Rubel (ca. 40 Millionen Euro) auf föderaler Ebene und 1 Milliarde Rubel (ca. 14 Millionen Euro) auf regionaler Ebene übersteigt, besteht ferner die Möglichkeit, dass ein so genannter Status des „alleinigen“ Anbieters eingeräumt wird.

D.h., der Investor erhält eine Art Abnahmegarantie bei staatlichen Ausschreibungen. Sofern der Investor auf diese Abnahmegarantie verzichten kann, reicht eine Investitionssumme von 750 Millionen Rubel aus, um einen SIV abschließen zu können. Die Vertragslaufzeit beträgt bis zu 10 Jahre.

Steuervergünstigungen

Im Zusammenhang mit den Vorschriften zur Importsubstitution und Lokalisierung wurden im Mai 2016 steuerliche Vergünstigungen eingeführt. Für die Umsetzung der steuerlichen Vergünstigungen wurde eine neue Kategorie des Steuerpflichtigen – des SIV-Steuerzahlers – ins Steuergesetzbuch übernommen. Im Rahmen eines SIV ist eine Reduzierung des föderalen Gewinnsteuersatzes von 2% auf 0% unter der Voraussetzung möglich, dass mindestens 90% aller Erträge aus dem Verkauf von SIV hergestellten Produkten entstammen. Der regionale Anteil an der Gewinnsteuer in Höhe von 18% kann auf bis zu 0% während der Laufzeit des SIVs, jedoch maximal bis zum Jahr 2025 herabgesetzt werden.

Steuerverguenstigungen fuer SWZ Residenten
Steuervergünstigungen für SWZ Residenten

Lokalisierungsanforderungen

Bevor mit der Planung einer Produktionslokalisierung begonnen wird, sind die Lokalisierungsanforderungen für das jeweilige Produkt zu prüfen, da sie produkt- und branchenspezifisch sind.

Herstellerzertifikat „Made in Russia“

Sofern kein „Spezieller Investitionsvertrag“ vorliegt, ergeben sich die Anforderungen, um ein Produkt  als „Made in Russia“ zu definieren aus der Regierungsverordnung Nr. 719 oder – für dort nicht geregelte Branchen und Produkte – aus der GUS – Vereinbarung über die Regeln für die Bestimmung des Warenursprungslands.

Derzeit gilt die Regierungsverordnung Nr. 719 für Produkte aus den Bereichen Kraftfahrzeugbau, Werkzeugmaschinenbau, Spezialmaschinen, Photonik und Lichttechnik und Maschinenbau (Energiebereich, Elektrotechnik sowie Schwermaschinenbau). Eine Erweiterung auf die Pharmaindustrie ist seit 2017 im Gange. Eine Erweiterung auf andere Branchen ist ebenfalls geplant.

Kriterien gemäß Verordnung Nr. 719

Kriterien sind warenspezifisch, z.B.

  • Maximalanteil (in %) ausländischer Rohstoffe und Komponenten an den Herstellungskosten des Endprodukts
  • Durchführung bestimmter Produktionsprozesse in Russland
  • Recht des Herstellers an Design und technischer Dokumentation des Produkts
  • Service-Center in einem der Mitgliedsstaaten der Eurasischen Wirtschaftsunion

In jedem Einzelfall ist gesondert zu prüfen, welche Bedingungen erfüllt sein müssen, damit ein Produkt als in Russland hergestellt gilt. Dabei ist zu beachten, dass für unterschiedliche Zeiträume unter Umständen unterschiedliche Kriterien gelten. In der Pharmaindustrie reichte im Jahr 2016 z.B. noch eine primäre und sekundäre Verpackung in Russland aus, damit Medikamente als „Made in Russia“ galten.

Seit 2017 ist eine weitergehende Lokalisierung erforderlich. Im Kraftfahrzeugbau wird eine jährlich ansteigende Anzahl an lokalen Produktionsschritten gefordert. In anderen Fällen kann ein Kriterium der Wert ausländischer Rohstoffe am Gesamtprodukt oder eine Änderung der Zolltarifnummer in den ersten vier Positionen sein.

Auch wenn das Importsubstitutionsprogramm planwirtschaftlich anmutet und die Ziele sehr ambitioniert sind, erscheinen die eingesetzten Instrumente sehr interessant. Vor dem Hintergrund gesunkener Produktionskosten kann gerade jetzt der richtige Zeitpunkt sein, um über einen Einstieg in die Produktionslokalisierung in Russland nachzudenken.

Russland, sowie die Eurasische Wirtschaftsunion mit ihren 183 Millionen Einwohnern und potentiellen Kunden, sind auf jeden Fall ein Markt, der auch in
Zukunft an erheblicher Bedeutung zunehmen wird.

Kriterien gemaess Dekret Nr. 719 - Beispiele
Kriterien gemäß Verordnungt Nr. 719 – Beispiele

Kriterien nach dem GUS Abkommen

Kriterien sind warenspezifisch (Zolltarifnummer)

  • Änderung der Zolltarifnummer innerhalb der ersten 4 Positionen (Unterschied zwischen Endprodukt und importierten Komponenten / Materialien)
  • Bestimmte technische Anforderungen an die Produktionsprozesse
  • Anforderungen an importierte Komponenten / Materialien (nur bestimmte importierte Materialien zulässig)
  • Ad valorem-Regel (Maximaler Wert importierter Rohstoffe am Endprodukt)
Beispiel Kriterien GUS Abkommen
Beispiel Kriterien GUS Abkommen

GUS-Abkommen

Warenursprungszertifikat ST-1

  • ST-1: Zertifikat zur Ursprungsbestimmung eines in einem GUS-Staat hergestellten Gutes
  • Kriterien aus GUS-Abkommen für Ausstellung des ST-1 gelten für alle Branchen außer für die Branchen aus Verordnung Nr. 719

Regierungsverordnungen mit Zugangsbeschränkungen für Ausländer

Medizin, Maschinen, Leichtindustrie und bei staatl. Ausschreibungen

  • Nr. 1289 vom 30.11.2015
  • Nr. 656 vom 14.07.2014 und
  • Nr. 791 vom 11.08.2014

Investitionsverträge für ausgewählte Branchen

  • Nr. 708 vom 16.07.2015

Bestimmung des Herkunftslandes

  • Nr. 719 vom 17.07.2015

Wo lokalisieren? Überblick Sonderwirtschaftszonen und Industrieparks

Auf die Frage „Wo lokalisieren?“ bietet der russische Staat verschiedene Möglichkeiten zur Eröffnung einer Produktionsstätte sowohl in der Moskauer Umgebung als auch in den Regionen an. In Kaluga (Moskauer Gebiet) und in den anderen Regionen sind, beispielsweise, bereits seit einigen Jahren Produktionsstätten mehrerer ausländischer Unternehmen in Betrieb: von Berlin-Chemie, Novo Nordisk,  AstraZeneca, Stada, International Medical Cluster im Moskauer Gebiet, Cluster in Ekaterinburg, St. Petersburg, Tomsk etc.

Für ausländische Unternehmen bietet sich vor allem die Möglichkeit sich in einer sog. Sonderwirtschaftszone oder in einem Industriepark anzusiedeln.

Sonderwirtschaftszonen

Residenten einer Sonderwirtschaftszone (SWZ) dürfen grundsätzlich nur die Unternehmen aus derzeit vier Branchen sein, d.h. Industrie/Produktion, High-Tech/Innovation, Logistik und Tourismus.

Motto einer SWZ ist: „Der Investor konzentriert sich auf die Produktion und den Absatz, und wir machen den Rest“. Über die Aufnahme eines neuen Residenten in die SWZ muss ein Gremium entscheiden. Derzeit sind in Russland etwa 20 SWZ in Betrieb.

Anforderungen an den SWZ-Investor sind: Gründung einer Gesellschaft innerhalb der SWZ, Investitionsverpflichtung muss mindestens RUB 120 Mio. (ca. EUR 1,5 Mio.) betragen, davon etwa RUB 40 Mio. (ca. EUR 0,5 Mio.) innerhalb der ersten drei Jahre.

Ferner muss ein Businessplan für 10 Jahre vorbereitet und einem Expertenrat vorgelegt werden, wobei die Experten auf den Lokalisierungsanteil achten.

Vorteile für SWZ-Residenten:

  • Reduzierte oder wegfallende Steuern
  • Fertig ausgebaute, moderne Infrastruktur
  • Staatliche Garantie über gleichbleibende Bedingungen in allen SWZ bis zum Jahr 2054
  • Keine Zollgebühren und keine Steuern auf Güterimport
  • Preisgünstige Grundstücke
  • „Single-Window“-Prinzip bei bürokratischen Prozeduren

Nach dem staatlichen Lokalisierungsplan sollen bis zum Jahr 2020 etwa 2000 Einzelprojekte der Importsubstitution in 20 Industriezweigen geschaffen werden.

Foederale Sonderwirtschaftszonen Russland
Föderale Sonderwirtschaftszonen Russland

Regionale Industrieparks

Landesweit wurden bislang 120 regionale Industrieparks gegründet, davon sind 72 bereits in Betrieb und 48 in der Planungsphase. 87 der Parks sind „Greenfield“- und 33 „Brownfield“-Projekte. Der Großteil der Industrieparks – etwa 70% – befinden sich im europäischen Teil Russlands. In den Industrieparks haben sich bereits ca. 1700 Unternehmen angesiedelt, was für die Attraktivität der Unternehmensansiedlung in solchen Parks spricht. 65 Industrieparks werden von privaten Gesellschaften betrieben, während 55 Parks von den Regionalregierungen geschaffen wurden und auch Vorteile bei der Gewinn-, Grund-, Vermögens- und Verkehrssteuer bieten.

Moskau und Umgebung ist bestens mit regionalen Industrieparks erschlossen:

  • 14 fertige Industrieparks in der Region Moskau, 3 weitere sind in Planung
  • 9 weitere Industrieparks in angrenzenden Regionen, 15 weitere sind in Planung
  • 200 km bis zum Gebiet Kaluga mit weiterem großen Industriepark-Cluster

Industrieparks in Moskau und Umgebung
Industrieparks in Moskau und Umgebung

Industrieparks Russland
Industrieparks Russland

Chancen und Risiken von Lokalisierung

Chancen

  • Dank Rubelabwertung gesunkene Investitions- und Betriebskosten
  • Potential für Export in Drittmärkte, insbesondere innerhalb der EWU
  • Steuerliche Anreize für Lokalisierung
  • Keine Diskriminierung bei staatlichen Ausschreibungen
  • „Offene Arme“ für Investoren bei Politikern
  • Möglichkeit, als erster eine Marktnischen zu besetzen

Risiken 

  • Rezession, Kaufkraftverlust und Nachfrageschwund auf dem russischen Binnenmarkt
  • Sanktionen: Gefahr des Importverbots für bestimmte Bauteile aus dem Ausland
  • Preisvolatilität bei Zulieferteilen durch Währungsschwankungen
  • Niedriges Qualitätsniveau bei lokalen Zulieferern
  • Niedrige Produktivität der lokalen Arbeitskräfte

Motivation der Investoren

Niedrige Steuern und zollfreie Importe (z.B. VW im regionale Industriepark in Kaluga)

Verleihung des „Made in Russia“-Labels, um mit einheimischen Produzenten konkurrieren zu können (z.B. CLAAS in Krasnodar vs. RostSelMasch in Rostow)

Kapazitäten für Export in Drittmärkte

  • CLAAS exportiert Mähdrescher-Bauteile aus dem Werk in Krasnodar ins deutsche Stammwerk
  • Ford Sollers exportiert seinen in Alabuga gebauten „Fiesta“ nach Kasachstan
  • Export von in St. Petersburg gebauten Hyundai Solaris nach Ägypten und Libanon
  • Astron baute Gebäude für Mineralwasserabfüllung in Algerien aus in Russland vorgefertigten Bauteilen

Lesen Sie unsere englischsprachige Publikation zum Thema Lokalisierung in Russland. Klicken Sie hierzu einfach auf das Bild und laden Sie die Ausgabe als PDF herunter.

Klicken Sie auf das Bild, um sich diese Ausgabe des Russia Briefing zum Thema Lokalisierung (auf Englisch) herunterzuladen.

SCHNEIDER GROUP Russia Briefing: Understanding Localization in Russia

2. Was benötigen Unternehmen um in Russland produzieren zu können und in welchem Ausmaß ist dies möglich?

Die russische Regierung hat die Verodnung Nr. 719 „Kriterien für die Klassifikation von Industrieprodukten als Industrieprodukte, die ohne Substitutionen in der Russischen Föderation hergestellt werden“ erlassen, welche am 1. Oktober 2015 in Kraft getreten ist. Diese gibt der Industriebranche vor, welche Produkte in Russland in welcher Menge produziert werden müssen.

Die Verordnung ist für die folgenden Industriebranchen bestimmt:

  • Maschinenbau
  • Automobilindustrie
  • Herstellung spezieller Maschinen
  • Photonik- und Lichttechnik
  • Energietechnik (Elektronik und Kabel)
  • Schwerindustrie
  • Medizinische Produkte
  • Arzneiprodukte
  • Radioelektronik
  • Bauwesen
  • Möbel- und Holzindustrie
  • Eisenbahnbau

Die staatliche Verordnung Nr. 719 sieht Kriterien für die Lokalisierung in Russland vor. Die genauen Kriterien hängen von dem Produkt ab und beinhalten unter anderem folgenden Anforderungen:

  • Bestimmte technologische Arbeiten für Produkte die in Russland produziert werden
  • Der Hersteller hat Anspruch auf das Produktdesign und die technischen Dokumentationen
  • Ein Service Center in einem der Mitgliedsstaaten der Eurasischen Union (EAEU)

So müssen beispielsweise seit dem 1. Januar 2017 bestimmte technologische Arbeiten für zugelassene Arzneimittel innerhalb der EAEU-Staaten durchgeführt werden, um die Produktion zu lokalisieren, wie z.B:

  • Produktion der fertigen Arzneimittel-Formen (z.B Granulate, Tabletten, Tropfen, sich auflösende Substanzen)
  • Die Verpackung
  • Letzte Qualitätsprüfung

Die am 1. Januar 2017 in Kraft getretene Verordnung Nr. 925 sieht vor, dass die Vorschriften des öffentlichen Beschaffungswesens für russische Waren, Arbeiten und Dienstleistungen Priorität haben. Diese Priorität wurde vor dem Hintergrund der Vorschriften des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (GATT) von 1994, sowie dem Vertrag über die Eurasische Union vom 29. Mai 2014 eingeführt und bedeutet, dass die Priorität nicht auf Mitglieder der EAEU anwendbar ist, sondern nur für spezielle Bereiche wie z.B. Verteidigung und Sicherheit, Militär, Schutz von Menschenleben und der Gesundheit, Gold- und Silberverkauf, Schutz von Kunstwerken, historischen und archäologischen Objekten.

3. Was muss bei der Standortwahl für eine Produktion beachtet werden?

In Abhängigkeit der Menge von zu beliefernden Endkunden kann der Standort entweder der wichtigste Schlüsselfaktor für die Standortwahl sein, oder nur eine untergeordnete, bis hin zu vernachlässigende Rolle spielen. In der Automobilindustrie ist es beispielsweise, nach dem OEM Standard, verpflichtend, dass die Lieferanten für Autoteile in der Nähe der OEM Produktion angesiedelt sind. Andernfalls werden die Lieferanten entweder gar nicht oder kaum als richtige Lieferanten angesehen. Im Falle der OEM Fabrik im Automobilbereich spielt der Standort des Kunden keine wichtige Rolle, da OEM Kraftfahrzeuge landesweit oder grenzüberschreitend ausgeliefert werden, so dass es andere wichtigere Schlüsselfaktoren gibt.

4. Welche Zuschüsse gibt es von der regionalen Politik für Investitionen in Industrieparks oder Sonderwirtschaftszonen?

Generell unterliegen Zuschüsse für Industrieparks, die privat oder staatlich geführt werden, den Sonderregulierungen aus der Investitionspolitik der Region. Die Gültigkeitsdauer hängt von den Investitionsverträgen, die mit den regionalen Vertretern für Investment-Projekte geschlossen wurden ab. Hingegen werden Zuschüsse für die Sonderwirtschaftszonen, auf staatlicher Ebene, von der Russischen Föderation reguliert und sind bis 2054 gesetzlich festgelegt. In Anbetracht dessen ist es wichtig, sich genau mit den Zuschüssen der regionalen Investitionspolitik oder den speziellen Sonderwirtschaftszonen auseinanderzusetzen um eine bessere Entscheidung zu treffen. Die Beseitigung oder wesentliche Senkung der folgenden Faktoren (zusätzliche Faktoren möglich) sind eine Möglichkeit um neue Investoren anzulocken:

  • Ertragssteuer
  • Grundsteuer
  • Transportsteuer
  • Vermögenssteuer
  • Kein Zoll
  • Importsteuer
  • Grundstückspreise
  • Sozialabgaben
  • Qualifizierte Arbeitskräfte

5. Welche Alternativen gibt es zum Produktionsaufbau? (Auftragsfertigstellung, Leasing, Eigene Herstellung)

Es gibt verschiedene Möglichkeiten für die Fertigung in Russland, wie z.B. den Abschluss eines Fertigungsvertrages mit einem lokalen Partner, das Leasen von Produktionshallen oder die Gründung und denAufbau einer eigenen Produktionshalle (Greenfield vs. Brownfield).

 

Auftragsfertigstellung (contract manufacturing)

Ein ausländischer Produzent ist dazu berechtigt einen so genannten Contract Manufacturing Vertrag (CMA) mit einem lokalen Partner abzuschließen, der eine eigene Produktion in Russland hat, in der die Produkte hergestellt werden können. Gewöhnlich stellt der ausländische Produzent dem CMA alle nötigen Materialien und technischen Anleitungen für die zu erwartende Leistung bereit. Zweck dieser Zusammenarbeit ist es, ein fertiges Produkt oder eine Dienstleistung vom CMA zu erhalten.

Die Vorteile von „contract manufacturing“ sind, dass das Projekt schnell begonnen werden kann und keine Zertifikate oder Lizenzen benötigt werden. Diese Art der Kooperation birgt allerdings Risiken in Verbindung mit dem Know-How-Transfer, wie beispielsweise bei der Beendigung des Vertrages. Des Weiteren werden in einigen Fällen hohe Beiträge verlangt, obwohl man selbst nicht die Kontrolle über den gesamten Qualitätsprozesses hat.

Einige Beispiele für CMA in der Pharmaindustrie sind:

  • Bayer
  • Merck Senoro (Pharmastandard)
  • Eli Lilly (R-Pharm)
  • Pfizer (Petrovax)
  • Teva (Biotec)
  • Baxter

 

Leasing

Eine andere Alternative zur Lokalisierung des gesamten Produktionsprozesses nach Russland ist das Leasen von Lagerhallen, Equipment oder Personal von einer lokalen Firma. Für diese Möglichkeit müssen dem lokalen Unternehmen vor Ort alle nötigen Lizenzen und Zulassungen/ Zertifikate bereitgestellt werden, die für den Produktionsprozess unabdingbar sind. Beim Leasing hat man eine höhere Kontrolle über die Qualität sowie die Nutzung des Know-hows.

 

Gründung einer eigenen Produktion

Die Gründung einer eigenen Produktion vor Ort (auf lange Sicht eine flächendeckende Lokalisierung) ermöglicht die volle Kontrolle über den Prozess und profitiert von den so genannten speziellen Investitionsverträgen. Eine eigene Produktion ist allerdings sehr zeitintensiv und mit hohen Investitionskosten verbunden. Die Vorphase (Bauphase, Annahmestufe etc.) kann in der Praxis sehr lange dauern. Dennoch gibt es einige erfolgreiche Beispiele von eigenen Produktionsstandorten verschiedener Industriebranchen wie zum Beispiel Volkswagen, Ford, Hyundai, Claas, Astron, Bosch, Novartis, Teva, Takeda, Berlin-Chemie, Stada etc.

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